Nicht verheiratete Paare: Lebensgefährten sterben gefährlich

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Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby

Kein Erbrecht nach dem Gesetz

Wer nicht verheiratet zusammenlebt, erbt nach dem Gesetz nichts. Ohne Testament geht der nichteheliche Lebensgefährte also leer aus. Man kann aber auch ohne Trauschein erben, nämlich durch Testament.

Berliner Testament unwirksam

Zu beachten ist dabei, dass Paare, die in einer nicht ehelichen Lebensgemeinschaft leben, kein gemeinschaftliches Testament, wie das Berliner Testament, errichten können. Dieses ist nur Ehegatten vorbehalten. Nicht verheiratete Lebenspartner müssten also je einzeln ein Testament machen, in dem sie den Partner bedenken.

Wie es geht

Für das Testament ist Handschriftlichkeit von A bis Z erforderlich. Es muss auf jeden Fall unterschrieben werden. Ein einfaches Testament könnte beispielsweise lauten:

Testament
Ich setze meine nicht eheliche Lebensgefährtin Claudia Müller, geb. am 09.06.1960, wohnhaft Am Höllturm 45, Radolfzell, zu meiner alleinigen und unbeschränkten Erbin ein. Ersatzerben sind ihre Kinder Max und Moritz, geb. am 11.11.2011 zu gleichen Teilen.
Radolfzell, den 09.01.2015
Ralf Zeller

Wenn gemeinsame Kinder da sind

Falls Sie als nicht eheliche Lebensgefährten gemeinsame Kinder, also nicht eheliche Kinder, haben, erben diese ganz normal wie eheliche Kinder nach beiden Eltern. Sie sind also gesetzlich erbberechtigt und gleichzeitig auch pflichtteilsberechtigt. Zu beachten ist, dass die Pflichtteilsquoten von Kindern höher sind als bei verheirateten Partnern.

Kinder aus früheren Beziehungen

Bringt der nicht eheliche Lebensgefährte beispielsweise ein Kind aus einer früheren Beziehung mit, beträgt die Pflichtteilsquote des nicht ehelichen Kindes am Nachlass des Elternteils 50 %. Im Ergebnis kann das Elternteil nur über 50 % seines Nachlasses sicher zugunsten des Lebenspartners verfügen.

Finanzamt schlägt zu

Gefährlich ist auch die Erbschaftsteuer. Nicht eheliche Lebensgefährten haben nur einen Freibetrag von € 20.000,00 und alles was darüber hinaus geht muss mit 30 % versteuert werden. Hier schlägt das Finanzamt erbarmungslos zu.

Doch heiraten?

Helfen kann hier nur die Heirat. Es ist möglich, einen Ehevertrag so zu schließen, nach dem man bei einer Scheidung so auseinander gehen kann, als ob man nie verheiratet gewesen wäre. Dies ist eine Überlegung wert, zumal dann auch alle Kinder – auch die Kinder aus anderen Verbindungen – den Steuerfreibetrag von € 400.000,00 nach jedem der Partner haben, also auch die Stiefkinder.

Auch nach Heirat: Vorsicht beim Berliner Testament

Auch wenn die Partner geheiratet haben, ist Vorsicht angesagt, wenn Kinder aus früheren Beziehungen vorhanden sind. Hat der Mann zwei Kinder und die Frau ein Kind aus früheren Beziehungen, kann dies beim Berliner Testament übel ausgehen. Die jetzt verheirateten Partner setzen sich gegenseitigt zu Erben ein und die drei Kinder zu je 1/3 zu Schlusserben. Stirbt der Ehemann zuerst, kann es nach dem Tod der Ehefrau zu unerwarteten Problemen kommen. Die drei Kinder sind zu je 1/3 als Schlusserben eingesetzt. Die einzige Tochter der Frau, hat aber einen Pflichtteil von 1/2. Sie könnte zusätzlich zum Erbteil von 33,3 Prozent noch einen Pflichtteilsrestanspruch von 16,6 Prozent geltend machen, käme also auf die Hälfte der Erbschaft und die beiden Kinder des Mannes müssten sich die andere Hälfte teilen. Hier kann aber durch kluge Gestaltungen vorgesorgt werden, die der Fachanwalt für Sie individuell entwerfen muss.

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Wichtig: Auch wenn sich auf unserer Homepage vieles für Sie einfach darstellen mag, fehlt auch dem intelligentesten Laien der Gesamtüberblick im Erbrecht. Oft werden schwierigste Punkte, die scheinbar im Vordergrund stehen, verstanden, grundlegende andere Probleme, die für den konkreten Fall wirklich entscheidend sind, aber gar nicht gesehen. Wir empfehlen Ihnen daher, unsere günstige Erstberatung von bis zu 1,5 Stunden in Anspruch zu nehmen. Die Erstberatung kann persönlich, telefonisch, schriftlich oder per Mail erfolgen. Sie kostet nur 190 Euro plus Mehrwertsteuer (eventuell noch Postgebührenpauschale, also im Ergebnis 226,10 oder 249,90 Euro). Sparen Sie nicht am falschen Ort. Oft müssen die Erben später viele Jahre prozessieren und Zigtausende an Anwalts- und Gerichtskosten zahlen, nur weil der Erblasser die geringen Erstberatungskosten sparen wollte. Übrigens: Bei einer Erstberatung durch uns erhalten Sie Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung kostenlos.